Kurz beleuchtet: City of God

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– „Stehst du vielleicht auch auf nen Joint?“
– „Hmmm, man darf ja nicht lügen.“
– „Dann mach mal das Handschuhfach auf, der Teufel erkennt seine Brüder“

Wir befinden uns in den 60-iger Jahren. Schauplatz ist die sogenannte City of God, ein Armenviertel von Rio de Janeiro, in dem ein Menschenleben so gut wie keinen Wert hat. Die Gang der „White Angels“ ist im Viertel gefürchtet und wird bewundert. Auch Buscapé (Alexandre Rodrigues), in der deutschen Syncro von Xavier Naidoo gesprochen, lernt sehr früh Gewalt kennen, aber sein Wunsch Fotograph zu werden überwiegt über das noch gering ausgeprägte Verlangen dem Beispiel seines Bruders, der bei den „White Angels“ ist, zu folgen.
Dadinho (Leandro Firmino da Hora), der von allen nur Löckchen genannt wird, ist aber begeistert von der Freiheit und der Macht der Gang. Beide Charaktere schlagen verschiedene Wege ein und 20 Jahre später haben beide ihre Ziele erreicht.

„If you run, you’re dead … if you stay, you’re dead again.“

Gewalt erzeugt immer Gewalt. Fressen oder gefressen werden. Sätze die vielleicht jeder schon einmal gehört hat. In der Stadt Gottes sind es Leitmotive.
Fernando Meirelles hat für mich ein Meisterwerk geschaffen. Der Film ist unglaublich realistisch. Wo andere Filme wie „Gangs of New York“ durch das Mainstreamformat scheitern, da wirkt „City of God“ glaubwürdig und doch schockierend. Denn Brutalität wird hier groß geschrieben. Jugendliche morden aus Spass, Kinder, die kaum das 8. Lebensjahr erreicht haben, überfallen Läden und jeder erschießt jeden oder wird erschoßen. Die Waffe in der Hose ist so normal wie das Amen in der Kirche. Interessant ist jedoch zu beobachten, das neben unglaublicher unzensierter Brutalität und Blut keine Erotikszenen, nicht mal Brüste zu sehen sind.

Grund für den Realismus werden wohl nicht nur die fast ausschließlich aus den Slums um Rio rekutierten Schauspieler sein, sondern auch die Buchvorlage von Paulo Lins. Dieser stammt nämlich ebenfalls aus der Stadt Gottes, genau so wie Hauptdarsteller Alexandre Rodrigues.
Der Film orientiert sich sowieso sehr an der Vorlage. So besteht der Roman aus 40 kleinen Einzelgeschichten. Der Großteil wird auch so belassen. Kleine Titel kündigen die Geschichten an, teilweise gibt es Rückblenden. Doch auch wenn die gesamte Story sehr komplex und verstrickt ist, so verliert man niemals den Überblick, was oft der Fall bei solchen Filmen ist, vor allem bei ausländischen. Hilfreich ist auch der Ich-Erzähler, der die Story gut zusammenhält.
Dazu kommt noch, dass die Grundlage auf wahren Begebenheiten beruht und die Hintergründe zum Film wirklich sehr interessant sind.

Fazit: „City of God“ ist schlicht weg genial. Realismus wird groß geschrieben. Gewalt, Drogen und Korruption stehen im Gegensatz zum Touristenbild Brasiliens. Als Betrachter wird man schlicht weg gefesselt, schockiert und fühlt streckenweise richtig mit. Man sieht die zwei unterschiedlichen Wege zweier Armutskinder aus den Slums und die damit verbundenen Probleme, besonders für Buscapé, der versucht den erlichen Weg zu gehen. Diese vermittelte Story ist enorm komplex und auch unglaubliche interessant, den sie bildet die Vergangenheit von Brasilien´s Gangs, ihre Gegenwart (Comando Vermelho) und wird auch ihre Zukunft bestimmen. Ein wirkliches Must-See!

wertung 10

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~ von Die Zange - 27. Mai 2009.

2 Antworten to “Kurz beleuchtet: City of God”

  1. Wahrlich ein großartiger Film, den ich auch mal wieder in den Player schieben muss. Bei Erstsichtung hatte er mir allerdings zu viele Längen, weshalb ich ihm „nur“ 9/10 Punkten gegeben habe.

    PS: Schönen Banner hast du da. ;)

  2. Hey fincher, danke. Mal schauen ob ich ihn stehen lasse oder noch einmal ein wenig verändere. Bin mir da noch unsicher.

    zum Film:
    Längen hat er schon, aber die haben mich dieses mal kein bisschen gestört. Fand wirklich alles toll erzählt und naja .. einfach großartig halt. :)

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